Korrespondenz mit Klimaskeptikern zu 16 Fragen "Klimafragen.org"

Sehr geehrter Herr..../sehr geehrte Frau......,

ich habe keinerlei Einwände gegen die Weitergabe meiner Antwort und gehe davon aus, dass Sie Ihrerseits ebenfalls damit einverstanden sind, dass ich unseren Austausch auf meine Homepage setze. Ich sehe Zeit und Evidenz auf meiner Seite.
Ihnen alles Gute!

Elisabeth Winkelmeier-Becker

 


 

Sehr geehrte Frau Winkelmeier-Becker,

Ihre Antwort habe ich zur Kenntnis genommen.

Ich stelle fest, dass Sie nicht auf die 16 gestellten Fragen geantwortet haben. In der Schule hätten Sie für Ihr Sammelsurium an Thesen die Note 6 bekommen.

Ich werde Ihre Nachricht an die Initiatoren der 16 Fragen weiterleiten, damit die Öffentlichkeit Kenntnis von Ihrem Elaborat erhält.

Mit freundlichen Grüßen

 


 

Sehr geehrter Herr…., Sehr geehrte Frau….,

Sie stellen wichtige Fragen und es sind noch nicht alle Antworten gefunden. Es gibt aber so viele evidente Hinweise und es steht so viel auf dem Spiel, dass eine verantwortungsvolle Politik jetzt schnell und wirkungsvoll handeln muss.

Es gibt eine hohe Evidenz, dass durch unseren Lebensstil emittiertes CO2 (und andere Gase wie Methan etc.) zu einer schnellen Klimaerwärmung führt. Die wichtigsten Argumente finden Sie z.B. auf https://www.klimafakten.de/meldung/was-wir-mit-hoher-sicherheit-ueber-den-klimawandel-wissen. Dort wird unter anderem dargelegt, dass besonders die Erwärmung der vergangenen 60 Jahren nur durch menschlichen Einfluss erklärbar ist. Natürliche Klimafaktoren haben sich in dieser Zeit kaum verändert und hatten daher keinen spürbaren Einfluss.

Zuletzt haben Wissenschaftler der Universität Bern festgestellt, dass die jüngsten Erwärmungen sich von allen klimatischen Veränderungen der Vergangenheit unterscheiden. In den letzten 2000 Jahren war ein Temperaturanstieg nie auf der ganzen Welt gleichzeitig zu beobachten. Das hat sich erst in den vergangenen 150 Jahren geändert: Die Erwärmung betrifft nun nicht nur einen Teil, sondern 98% der Erde. Es muss folglich neuerdings einen zusätzlichen Faktor geben, der diese Veränderungen zur Folge hat. Näheres können Sie unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-frueherer-temperaturanstieg-oft-nur-regional-a-1278753.html nachlesen.

Aus dem mittlerweile fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) geht außerdem hervor, dass die Klimaforschung heute auf fundierte, transparente und nachvollziehbare Weise den menschengemachten Klimawandel belegt. Ferner kommt eine Auswertung der tausenden Veröffentlichungen und zehntausenden Gutachterkommentare zu dem Ergebnis, dass rund 99% der Wissenschaftler, die Fachaufsätze zum Klimaschutz veröffentlichen, vom menschengemachten Klimawandel überzeugt sind. https://www.bmu.de/themen/klima-energie/klimaschutz/klimaskeptiker/#c42267.

Dass noch nicht jedes Detail erforscht ist, ändert nichts am Handlungsbedarf. Es ist in der Politik wie auch im privaten Handeln nichts ungewöhnliches, das man Entscheidungen auf Basis von Prognosen und Wahrscheinlichkeitsabwägungen treffen muss.

In der juristischen Praxis ist das die Normalsituation im vorläufigen Rechtsschutz. Dann gibt es zwei Kriterien: 1. Wie wahrscheinlich ist aufgrund der bisher bekannten Fakten das eine oder das andere Ergebnis?

Und: 2. Welche Nachteile und Risiken bestehen bei einem Irrtum und einer falschen vorläufigen Entscheidung?

Bezogen auf den Klimawandel heißt das konkret zu 1.:

(a) Die denkbar hohe wissenschaftliche Wahrscheinlichkeit (s.o.) geht klar vom sog. anthropogenen Klimawandel aus und davon, dass wir nur noch ein geringes CO2-Budget haben und schnelle Verhaltensänderungen erforderlich sind, um die Erwärmung auf 1,5-2 Grad Celsius zu begrenzen. Zu dem Aspekt, dass nur ein kleiner Teil des CO2 in der Atmosphäre menschlich bedingt ist s. https://www.focus.de/wissen/klima/tid-8638/diskussion_aid_234329.html

(b) Nur vergleichsweise sehr wenige Wissenschaftler vertreten andere Meinungen mit uneinheitlichen Begründungen. Mir persönlich erscheint die Annahme eines anthropogenen Klimawandels sehr plausibel; nicht zuletzt deckt er sich mit dem Faktum weltweit steigender Temperaturen und der o.g. Feststellung der Wissenschaftler der Universität Bern.

Zu 2.: (a) Sollte sich die sehr wahrscheinliche Version eine menschengemachten Klimawandels etwa im Jahr 2050 im Rückblick als falsch herausstellen, hätten wir ggf. unnötig mit hohem Aufwand und auch nicht ohne wirtschaftliche Nachteile eine Umstellung der Industrie auf erneuerbare Energien vorgenommen - und wären damit zugleich unabhängig von Öl- und Gaslieferanten, hätten mit vielen Innovationen neue Arbeitsplätze und Wertschöpfung in heute eher armen Ländern geschaffen, die Luft von Abgasen befreit.

(b) Handeln wir nicht jetzt - was bequemer und auch politisch attraktiver „zu verkaufen“ wäre - und stellen im Jahr 2050 unseren Irrtum fest, wäre eine irreversible und starke Klimaerwärmung längst unvermeidlich, die weite Regionen der Erde unbewohnbar macht und zu extremen Umbrüchen in Natur und Landwirtschaft führt, mit weiteren dramatischen Folgen. Bei dieser Sachlage führt jede vernünftige Abwägung dazu, die höchst wahrscheinliche These des anthropogenen Klimawandels zur Ausgangsthese der weiteren Entscheidungen zu machen.

2. Es kommt auf uns an - auch wenn wir nur ca. 2% des weltweiten CO2 emittieren. Bei schon 150 Ländern, die das Pariser Klimaschutzabkommen gezeichnet haben, erklärt schon eine einfache Rechenaufgabe, dass wir damit immer noch überdurchschnittlich emittieren, sowohl als gesamte Volkswirtschaft, als auch pro Kopf. Würde nun jeder sagen: auf mich kommt es nicht an, so würde sich keiner verpflichtet fühlen. Folgen: siehe oben.

Außerdem: nur wer selbst voran geht, kann auch andere mitziehen. Und hat nur dann auch das moralische Recht, von anderen ein Umsteuern zu verlangen. Das wird keine leichte Aufgabe, da uns vor allem Länder mit wirtschaftlichem Nachholbedarf leider zu Recht vorhalten, selbst unseren Wohlstand auf Basis von CO2-intensiver Industrie erwirtschaftet und unsere europäischen Urwälder längst abgeholzt zu haben. Bei diesen werden wir als Deutsche oder als Europäer kein Gehör finden, wenn wir nicht selbst mit gutem Beispiel voran gehen.

3. Für uns als Erfinder- und Industrienation besteht hier die Chance, dass wir mit neuen Ideen und Innovationen die neuen Verfahren und Produkte entwickeln, die einen modernen, mobilen, digitalen Lebensstil trotz CO2-Neutralität ermöglichen und die dann auch von anderen gekauft werden. Windkraft und Photovoltaik sind hier die guten Beispiele, die im Wesentlichen auf dem deutschen Markt entwickelt worden sind.

Wichtig ist, dass wir die richtigen Anreize dafür setzen, dass wir auf allen Ebenen zu CO2-Vermeidung und -neutralität kommen und dabei unseren Wohlstand, sowie unsere Arbeitsplätze, sozialen Ausgleich etc. ebenfalls bewahren.

Mit freundlichen Grüßen

Elisabeth Winkelmeier-Becker

 

[Anlage zur Anfrage von Klimafragen.org]