Engagement für Waisen und Aids-gefährdete Kinder - 2008

Antwort auf ein Schreiben zum Engagement für Waisen und Aids-gefährdete Kinder vom Januar 2008

vielen Dank für Ihre E-Mail, in der Sie mich bitten, das Engagement für Waisen und Aids-gefährdete Kinder zu verstärken. Ich komme dieser Bitte gerne nach und erlaube mir Ihnen darzulegen, was die unionsgeführte Bundesregierung in diesem Bereich auf unser Wirken hin bereits unternommen hat.

Das Thema HIV/Aids ist ein Schwerpunkt unserer Entwicklungspolitik. Meine Kollegen aus der Arbeitsgruppe Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion befördern dieses Thema in Parlament und Presse sehr.

HIV/AIDS geht uns alle an und nur gemeinsam können wir diese schreckliche Krankheit bekämpfen. Umso wichtiger ist es, dass sich so viele Menschen wie möglich in der Bekämpfung von HIV/AIDS engagieren. Ihr Einsatz ist in diesem Sinne sehr ermutigend und ich danke Ihnen hierfür sehr.

Die Unterstützung von Aids-Waisen ist eingebettet in die weltweite Bekämpfung von HIV/Aids. Wie Sie richtigerweise anmerken, hat Deutschland im Rahmen seines G8-Vorsitzes und der EU-Ratspräsidentschaft erheblich dazu beigetragen, dass die Bekämpfung von HIV/Aids weiterhin verstärkt wird - gerade in den ärmsten Ländern dieser Welt, wo die meisten Betroffen leben. Es ist ein großer entwicklungspolitischer Erfolg, dass das Thema HIV/Aids als ein wichtiger Schwerpunkt des G8-Gipgels in Heiligendamm gewählt wurde. Vom Standpunkt der Entwicklungspolitik ist dies besonders wichtig, da die Bekämpfung von HIV/Aids entscheidend für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung ist.

Deutschland hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die sogenannte Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) in Berlin (September 2007) ein großer Erfolg war.

Die Geberländer haben sich verpflichtet fast 7 Mrd. Euro bis 2010 zur Verfügung zu stellen. Deutschland wird in den nächsten drei Jahren 600 Mio. Euro direkt einzahlen. D.h. die Bundesregierung hat die Mittel von ca. 80 Mio. Euro auf 200 Mio. Euro pro Jahr erhöht. Hinzu kommen von deutscher Seite in vier Jahren weitere 200 Mio. Euro über Schuldenerlasse (Dept2 Health) für die Bekämpfung dieser Pandemie.

Da Aids mehr als ein medizinisches Problem ist, muss auch der Kampf gegen die Krankheit und ihre Folgen vielschichtig sein. Die Unterstützung von Aids-Waisen ist ein wichtiger Teil dieser Maßnahmen.

Aids-Waisen sind die unsichtbaren Opfer von Aids. Allein in Afrika südlich der Sahara leben 12 Millionen Kinder, die einen oder beide Elternteile durch Aids verloren haben. Gut die Hälfte lebt mit ihren Großmüttern zusammen. Weltweit gibt es 15 Millionen Aids-Waisen. Allein in den letzten zwei Jahren kamen 3,5 Millionen hinzu.

Die Aids-Waisen in den Entwicklungsländern sind besonders gefährdet. Diese Kinder sind Diskriminierung und Ausbeutung hilflos ausgeliefert. Sie sind schlechter ernährt, leben in extremer Armut und können nicht zur Schule gehen.

Deutschland wirkt in seinem Politikdialog auch darauf hin, dass Regierungen in den Partnerländern Waisen vor Diskriminierungen schützen und ihre Rechte, insbesondere in Bezug auf das Erbe der Eltern, stärken. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt im Rahmen ihrer Vorhaben zur HIV/Aids-Bekämpfung in Sub-Sahara-Afrika auch lokale Gemeinden sowie Familien, die Waisen aufnehmen. Ziel ist es, diesen Kindern eine schützende Umgebung zu ermöglichen.

Viele Projekte aus den Bereichen AIDS-Bekämpfung, Grundbildung und Jugend setzen auf Unterstützung AIDS-betroffener Kinder. "Life skills education" vermittelt Inhalte, die den Kindern und Jugendlichen helfen sollen, mit den neuen Herausforderungen fertig zu werden: von haus- und landwirtschaftlichen Grundkenntnissen bis hin zur Krankenpflege. Mit ähnlichen Angeboten können auch Kinder und Jugendliche erreicht werden, die nicht (mehr) die Schule besuchen können.

Ich versichere Ihnen, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten im Bereich der multilateralen und bilateralen Zusammenarbeit mit den betroffenen Ländern zusammenarbeiten und darin auch nicht nachlassen werden. Die deutsche Entwicklungspolitik wird nicht zulassen, dass diese Aids-Waise und HIV-infizierte Kinder auf den Verschiebebahnhöfen politischer Prioritäten landen.

Eine Verbesserung in den von HIV/AIDS am stärksten betroffenen Ländern ist jedoch nur möglich, wenn auch die Regierungen vor Ort zur Zusammenarbeit bereit sind.


Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen geholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen.