Magersucht

Antwort auf eine Anfrage und Bitte um Stellungnahme zur Bundestagsdebatte zum Thema Magersucht vom Januar 2010:

Ich freue mich über Ihr Interesse an dem wichtigen Thema Magersucht.  Wenn Sie sich mit dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zu Maßnahmen gegen Magersucht befasst haben, haben Sie sicher auch meine Reden dazu gelesen und auch die Stellungnahme meiner Fraktion in der Beschlussempfehlung. Ohne Frage ist für mich Magersucht ein gravierendes Problem mit erheblichen Ausmaßen. Die Berichterstatter aller Fraktionen im Parlament waren sich darin einig, dass insbesondere Magersucht, aber auch alle anderen Formen von Mangel- und Fehlernährung ein sehr ernst zunehmendes Problem in unserer Gesellschaft ist. Wir haben deshalb im Parlament eine öffentliche Expertenanhörung durchgeführt, vor allem mit dem Ziel, noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen und gemeinsam mit den Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen  über Lösungen und Wege nachzudenken, wie den betroffenen Menschen geholfen werden kann.  Die Anhörung hat gezeigt, dass ein ganzes Bündel von biologischen, psychosozialen und gesellschaftlichen Ursachen für die Entstehung der Krankheit verantwortlich sind. Es war von daher sehr wichtig, dass sich auch das Parlament mit dem Thema beschäftigt hat. Es hat sich allerdings auch herausgestellt und wurde uns so auch von den Experten bestätigt, dass Vieles von den Forderungen aus dem Antrag der Grünen bereits durch eine Initiative der Bundesregierung „ Leben hat Gewicht- gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“ aufgegriffen worden ist. Im Jahr 2007, kurz bevor der Antrag der Grünen erschien, wurde diese Initiative von den drei Bundesministerinnen für Gesundheit, Ministerin Ulla Schmidt, für Familie, Ursula von der Leyen und für Forschung, Annette Schavan ins Leben gerufen. Diese Kampagne hat seit 2007  Vieles hinsichtlich Sensibilisierung und Vorbeugung gegen Magersucht bewirkt. Die Initiative setzt sich zusammen mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen - auch Modewelt und Medien sind mit einbezogen - für Prävention und Aufklärung ein. Es sind z.B.  Forschungsprojekte zu Präventionsmöglichkeiten und zur Erstellung von Leitlinien für Therapien in einem Umfang von 7 Millionen Euro finanziell gefördert worden. Es konnte bewirkt werden, dass die Modebranche eine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben hat, keine Verträge mit untergewichtigen Models abzuschließen und sich insgesamt zur gesellschaftlichen Verantwortung zu bekennen. Die Kampagne war darüber hinaus eingebunden in den 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung  „ Mehr Chancen für  gesundes Aufwachsen – gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung“, der insbesondere auf die Ganzheitlichkeit von Familie, Gesundheit und Bildung abzielt. Mittlerweile gibt es flächendeckend gute Angebote von Beratungsstellen , die professionell und auch über das Internet gut zu erreichen sind. Auch das Jugendschutzgesetz bietet ausreichend Möglichkeiten, jugendgefährdende Seiten wie z.B.. pro-Ana-Seiten schließen zu lassen und stattdessen als Platzhalterseiten für Hilfsangebote umzuwandeln.

Aus meiner Sicht sind von Seiten der Bundesregierung und auch von Seiten des Gesetzgebers wesentliche Forderungen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie Maßnahmen zur Vorbeugung und auch zu konkreten Hilfen insbesondere durch den Aktionsplan aufgegriffen und umgesetzt worden. Wir sind in Deutschland damit auf einem guten und richtigen Weg. Ich habe deshalb dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen nicht zugestimmt um klarzumachen, dass die Bundesregierung schon aus eigener Initiative die richtigen Maßnahmen ergriffen hat. Hier sehe ich im Augenblick keinen konkreten weiteren Handlungsbedarf für den Bundesgesetzgeber.
Wenn die Regierung etwas sinnvolles initiiert, und danach die Opposition ähnliche Forderungen erhebt, ist Ablehnung des Oppositionsantrags üblich, obwohl man sich in der Sache im Wesentlichen einig ist. Es soll dadurch der Eindruck vermieden werden, dass erst der Antrag der Opposition die Regierung zum Handeln gebracht hat.
Wir werden nun das Problem Magersucht weiter im Auge behalten und uns nach gewisser Zeit nochmals genau ansehen, ob die bisherigen Maßnahmen mit den verschiedenen Ansätzen bei Forschung, Prävention und konkreten Hilfen zur Lösung des Problems tatsächlich beitragen können.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen meinen Standpunkt deutlich machen und verbleibe mit freundlichen Grüßen.