Zur Ablehnung des Deutschen Bundestages bezüglich des Entwurfes für ein Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts

Nachfolgenden Text sendeten mir mehrere Bürger wortwörtlich zu; er dient als Beispiel für die zahlreichen Zuschriften zur Ablehnung des Deutschen Bundestages bezüglich des Entwurfes für ein Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts:
 
„Sie haben mir und meinem Partner mit Ihrem klaren "Nein" das Recht auf Eheschließung verwehrt. Gemäß ihres Auftrages war dies wohl eine Entscheidung nach eigenem Gewissen. Daraus schlussfolgere ich, dass Sie problemlos mit Ihrem Gewissen vereinbaren können, unserer Liebe weniger Wert einzuräumen als der Liebe heterosexueller Paare. Warum diskriminieren Sie uns?“
 
Nachfolgend meine Antwort:
 
Ich kann verstehen, dass die Abstimmung über die Anträge auf Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der Ehe ziemlich viel Aufregung verursacht hat. Aber einige Reaktionen finde ich ziemlich oberflächlich und reflexhaft. Es gibt sehr unterschiedliche Gründe, hier mit nein zu stimmen. Für mich war entscheidend, dass ich Adoptionen durch zwei Männer oder zwei Frauen nicht für gut halte. Dabei habe ich keinen Zweifel, dass Homosexuelle sehr gute Eltern sein können, ich kenne z.B. einige Männer, die ich mir sehr gut als Vater vorstellen kann. Ich habe auch definitiv kein Problem damit, dass Kinder mit ihren homosexuellen Eltern und dem neuen Partner/ der neuen Partnerin zusammen leben, oder dass Pflegekinder dort untergebracht werden. Aus dem Blickwinkel der Kinder – und ausschließlich um den geht es bei Adoptionen – finde ich es aber richtig und wichtig, dass die beiden Elternteile mit ihrer besonderen Beziehung und Verantwortung für ein Kind eine Mutter und ein Vater sind, auch dann wenn ein Elternteil getrennt lebt und auch dann, wenn es Probleme mit ihm gibt. Dass die Beziehung zu diesem anderen Elternteil auch dann wichtig und prägend für das Kind ist, wenn es Probleme gibt, habe ich in vielen familienrechtlichen Streitigkeiten erlebt. Im Interesse des Kindeswohls wird in vielen Fällen mit großem Aufwand alles mögliche unternommen, um den Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil zu ermöglichen und Konflikte beizulegen. Nach meiner Erfahrung als frühere Familienrichterin, aber auch als Mutter von drei Kindern haben Mutter und Vater jeweils unterschiedliche Bedeutung für Jungen und Mädchen – und zwar auch jenseits von irgendwelchen Rollenklischees. Das lässt sich meiner Meinung nach nicht durch einen zweiten Mann/ eine zweite Frau ersetzen und auch nicht durch Patenonkel/ Patentante ersetzen. Sorry, das ist meine Überzeugung. Liebe, Verlässlichkeit, Vertrauen in Lebenspartnerschaften sind mir aber genauso wertvoll wie in einer Ehe. Dass Homosexualität im Nationalsozialismus ein Grund zur Verfolgung und Vernichtung und danach noch viele Jahre strafrechtlich relevant war, entsetzt mich und macht mich immer noch betroffen. Wie Thomas Steins dankenswerterweise schon mitgeteilt hat, bin ich schon lange der Auffassung, dass es eine steuerliche Gleichstellung beim Splitting geben muss, das m.E. nur die Kehrseite der Unterhaltspflichten und der Zugewinn- und Versorgungsausgleichsregeln im Trennungsfall darstellt. Dafür werbe ich intern in meiner Fraktion, aber auch öffentlich (s. meine Pressemitteilung vom 03.08.2011 auf meiner Webseite). Da haben die Kollegen von LSU meine volle Unterstützung (die natürlich versuchen, mich auch beim Thema Adoption umzustimmen). Mein Anliegen wäre, hier wirklich zu mehr unaufgeregter Toleranz zu kommen. Wenn wir in der Union den Menschen „wie er geht und steht“ zum Maßstab unserer Politik machen, ist das m.E. die einzig überzeugende Schlussfolgerung.