Antwort auf die Postkartenaktion zum Rentenmodell der katholischen Verbände

Sehr geehrte Frau/Sehr geehrter Herr,

ich danke Ihnen für Ihre Glückwünsche zu meiner erneuten Wahl in den Bundestag und Ihre Postkarte bezüglich des Rentenmodells der katholischen Verbände.

Das Rentenmodell der Katholischen Verbände ist ein interessanter Vorschlag zur Weiterentwicklung des Alterssicherungssystems. Das Modell hat schon in den vergangenen Jahren sehr viel Beachtung gefunden. Es ist sehr zu begrüßen, dass die katholischen Verbände sich des wichtigen Themas mit einem eigenen Modell angenommen haben und dieses auch ständig dem neusten Diskussionsstand entsprechend fortentwickelt haben. Mit den neuesten Modifikationen ist dieses Modell ein sehr erwägenswerter Vorschlag, den wir intensiv diskutieren werden. Denn mit dem Modell sind eine Reihe von Vorteilen verbunden, die man bei anderen Vorschlägen so nicht findet.

So stärkt die Einbeziehung aller Einkunftsarten zur Finanzierung der Sockelrente in Höhe von 420 Euro sicherlich den Solidargedanken innerhalb der Alterssicherung und würde auch Beschäftigten im Niedriglohnsektor zu einer auskömmlicheren Altersversorgung verhelfen.

Die gesamte Wirkweise des Modells muss gründlich analysiert werden. Für mich ist es wichtig, dass von einem Systemwechsel auch der Normalbürger und Durchschnittsverdiener profitiert, Männer und Frauen mit ihren oft noch typisch-unterschiedlichen Lebensläufen gleichermaßen. Hier wirft das Modell noch einige Fragen auf, die geklärt werden müssen. Geklärt werden muss auch, ob das Modell in der ersten Säule durch Beiträge oder Steuern finanziert werden soll und wie sich der Verwaltungsaufwand durch Beiträge auf weitere Einkunftsarten entwickelt.

Wegen der offenen Fragen und aufgrund der relativ langen Übergangsphase, die dieses Modell benötigt, werden wir uns aber in der kommenden Wahlperiode zunächst auch mit den Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des bestehenden Systems befassen müssen.

Wir wollen daher in der kommenden Legislatur innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung mit einigen Maßnahmen weiter dafür sorgen, dass Altersarmut auch künftig vermieden wird. Wer jahrzehntelang gearbeitet, in den Generationenvertrag eingezahlt und zusätzlich vorgesorgt hat, muss im Alter eine auskömmliche Altersversorgung haben. Wer 40 Jahre versichert ist und privat vorgesorgt hat, soll einen Zuschuss zur Rente auf 850 Euro erhalten.

Zur Lebenstandardsicherung wird Eigenvorsorge immer wichtiger. Wir wollen daher für private und betriebliche Vorsorge Freibeträge in der Grundsicherung schaffen.

Für den Generationenvertrag leisten Familien einen wesentlichen Beitrag. Uns ist wichtig, dass die Erziehungsleistung in der Rente besser anerkannt wird. CDU und CSU haben die Kindererziehungszeit daher in der Rente eingeführt und schrittweise verbessert.

Wie Sie es sich auch wünschen, wollen wir ab 2014 für alle Mütter oder Väter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, die Erziehungsleistung mit einem zusätzlichen Rentenpunkt in der Alterssicherung berücksichtigen. Das entspricht bei zwei Kindern durchschnittlich 650 Euro mehr Rente im Jahr. So sind vor allem Frauen, die wegen Kindererziehung ihre berufliche Tätigkeit eingeschränkt haben, besser vor Altersarmut geschützt.

Außerdem wollen wir die Zeiten der Pflege in der gesetzlichen Renten¬versicherung besser berücksichtigen. Pflege wird auch vor allem in den Familien geleistet und viele Angehörige müssen in den Zeiten der Pflege ihre berufliche Tätigkeit einschränken. Das soll sich nicht nachteilig auf die Altersvorsorge auswirken.

Mit freundlichen Grüßen
Elisabeth Winkelmeier-Becker