Antwort auf eine Zuschrift zur Abstimmung Deutschlands im Ministerrat über die umstrittene Mais-Sorte 1507

Zu Ihrer Enttäuschung über die Abstimmung Deutschlands in Sachen Maissorte 1507:  Die Bundesregierung  hatte sich darauf verständigt, sich bei der Abstimmung über den 1507-Mais in Brüssel zu enthalten. Dies ist ein übliches Vorgehen, wenn sich die beteiligten Ministerien nicht auf eine einheitliche Position einigen können. Allerdings hätte auch ein Nein Deutschlands nicht zur nötigen Mehrheit für ein Verbot gereicht. Da sich im Ministerrat eine qualifizierte Mehrheit weder für noch gegen die Zulassung abzeichnete, hatte die EU-Kommission bereits mitgeteilt, dass sie den Mais in jedem Fall zulassen werde, weil sie vom Europäischen Gerichtshof in Luxemburg rechtlich dazu verpflichtet wurde. Die Genehmigung stützt sich dabei auf die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, die in insgesamt 6 Stellungnahmen keine wissenschaftlichen Einwände zum Zulassungsantrag erhoben hat. Sie knüpft die Zulassung  allerdings  auch an bestimmte Bedingungen , so fordert sie z.B. Überwachungsprogramme in Bezug auf Resistenzbildung bei Schädlingen und dort wo bestimmte Konzentration von Mais 1507 überschritten wird, zwischendrin den Anbau von konventionellen Sorten.

Sie als Landwirt wissen bestimmt, dass Resistenzen und Auswirkungen auf nicht schädliche Schmetterlingsarten  in jeder Form der Landwirtschaft ein Problem sein können, eben auch dann, wenn das Insektizid nicht von der Pflanze selbst gebildet wird, sondern vom Bauern auf die Felder versprüht wird. Nach mir vorliegenden Informationen wird das von der Pflanze selbst gebildete Bt-Toxin auch auf Feldern mit konventionellem Anbau und sogar im Biolandanbau verwendet.
Die Produkte der Pflanze  der Maissorte 1507 sind im Übrigen in der EU bereits als Lebens- und Futtermittel zugelassen und werden aus den USA, Kanada und anderen Ländern importiert, negative Auswirkungen sind bislang nicht bekannt. Übrigens ist die Grundsatzentscheidung, gv-Pflanzen in der EU zu erlauben bereits 1989 und dann noch einmal 2003  - mit den Stimmen der damaligen rot-grünen Bundesregierung gefallen. Seit Jahren  werden gentechnisch modifiziertes Soja-Lecithin für die Weiterverarbeitung zu Schokolade, Emulgatoren und Vitamin E aus gv-Soja und Speiseöl aus genetisch verändertem Mais oder Raps hergestellt. Weitere Möglichkeiten finden sich bei der Herstellung von Futtermitteln, Backwaren umweltschonender Waschmittel. Zur Herstellung von Käse braucht man das im Magen säugender Kälber entstehende Lab bzw. das darin enthaltende Chymosin. Es wäre illusorisch, wollte man die benötigte Menge an Chymosin heute auf diese Art und Weise gewinnen, deshalb wird es weltweit gentechnisch erzeugt. Ich bin deshalb der Ansicht, dass man Gentechnik nicht generell verteufeln sollte. Wir sollten aber ein starkes Interesse daran haben, dass auch in Zukunft sichere und gesunde Nahrungsmittel zur Verfügung stehen und auch an der Umwelt keine schädlichen Manipulationen vorgenommen werden. Dann sehe ich durchaus Chancen in der Gentechnik, die mit der gebotenen Vorsicht erforscht werden sollten. Von Ihnen angesprochene Probleme in der Entwicklungshilfe, insbesondere die Armut von Bauern  und der strukturellen wirtschaftlichen Abhängigkeit der Landbevölkerung sowie der monopolistischen Stellung einiger Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut müssen wir mit anderen Mitteln bekämpfen.


Ich glaube im Übrigen nicht, dass sich durch die Zulassung der Maissorte 1507 in Deutschland etwas ändert.  Die große Mehrheit in Deutschland ist gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, die Mehrheit der deutschen Landwirte ebenfalls. Ohne Akzeptanz in der Gesellschaft wird kein Landwirt diesen Schritt gehen, abgesehen auch von dem von ihm zu tragenden Haftungsrisiko und anderen wirtschaftlichen Risiken. Auch Bauernpräsident Rukwied rät dringend davon ab. Den Anbau von Mon-810-Mais hatte Deutschland verboten; Landwirtschaftsminister Friedrich hat angekündigt, sich dafür einzusetzen, dass jedes Mitgliedsland eigenständig entscheiden darf, ob er den auf EU-Ebene zugelassenen Mais 1507 tatsächlich im eigenen Land zulassen will.


Mit freundlichen Grüßen


Elisabeth Winkelmeier-Becker